EAT – Klimasensible Ernährungsberatung in Hausarztpraxen
Zusammenfassung und Hintergrund
Die EAT-Lancet-Kommission hat Prinzipien für eine evidenzbasierte, nachhaltige, klimasensible Ernährung formuliert. Angesichts der Klimakrise wird es immer wichtiger, angehende Ärzt*innen hierzu zu qualifizieren. Mit diesem Hintergrund hat das EAT-Projekt ein 14-tägiges, internationales Wahlfach für Medizinstudierende im 1. und 2. Jahr entwickelt und implementiert.
- Lerninhalt ist die klimasensible Ernährungsberatung in Hausarztpraxen. Das EAT-Curriculum basiert auf der Planetary Health Diet und dem Planetary Health Education Framework der EAT-Lancet-Kommission sowie Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
- Durch die Integration von ernährungsmedizinischen, physiologischen, biochemischen, motivationspsychologischen und ökologischen Lerninhalten wird eine praxisorientierte Lernspirale für Medizinstudierende geschaffen.
- Der Lernraum Hausarztpraxis ermöglicht die patientenzentrierte Anwendung des Gelernten und zielt auf nachhaltige Verhaltensänderungen.
- Der Lernerfolg dieser didaktischen Innovation mit Online-Show-Kitchen und anderen Elementen wird wissenschaftlich u.a. mit standardisierten Patient*innen evaluiert.
Laufzeit des Projekts: 01.04.2024 – 31.03.2026
Das Projekt wird gefördert duch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre
Meilensteine
- Vorarbeiten zur Konzeption
- Aufstellung eines internationalen wissenschaftlichen Beirats, Hausärzt*innenbeirats und Studierendenbeirats
- Erste Pilotierung mit 6 Studierenden und 6 Hausarztpraxen in Bonn und St. Andrews.
- Konzeption des EAT-Curriculums unter Partizipation von Studierenden, Patient*innen und Hausärzt*innen
- Entwicklung von deutsch- und englischsprachigem EAT-Lehrmaterialien
- Pilotierung des EAT-Curriculum mit 6 Studierenden und 6 Hausartzpraxen
- Implementierung des EAT-Curriculums mit 25 Studierenden und 10 Hausarztpraxen
- Wissenschaftlich rigorose Evaluation des EAT-Curriculums im Hinblick auf Machbarkeit, Akzeptanz und Effektivität (inkl. nachhaltiger Verhaltensänderung)
- Dissemination auf nationaler und internationaler Ebene
- Entwicklung eines Data-Repository mit Lehrmaterialien und Rotations-Manual
Methoden
Vorklinische Studierende aus Bonn und St. Andrews wurden mithilfe folgender Lehrformate qualifiziert:

Asynchrone, lernerzentrierte Formate zum Selbststudium
- eLearning-Übungen zur Planetary Health Diet
- eLearning-Übungen zu Patient*innengesprächen
- Lehrvideos: Verknüpfung zu vorklinischen Fächern (z.B Makro- und Mikroanatomie), zur Motivierenden Gesprächsführung und klimasensiblen Ernährungsberatung
- Übungen mit ChatGPT zur Motivierenden Gesprächsführung
Synchrone Online-Lehrformate
- Binationale Online-Seminare mit Show-Kitchen
- Online-Seminare zur Motivierenden Gesprächsführung und nachhaltigen Ernährung


Praktische Umsetzung vor Ort
Zwei Halbtage Hospitationen zur Ernährungsberatung in der Hausarztpraxis
Evaluation
| Methodik | |
|---|---|
| Zufriedenheit | |
| Wissenszuwachs | |
| Fähigkeiten | |
| Einstellungen | |
| Verhalten | |
| Statistische Auswertung |
Ergebnisse der Implementierungsphase
20 Studierende aus Bonn und fünf aus St. Andrews nahmen an der Rotation teil, davon füllten 20 den Fragebogen aus. Die Studierenden waren im Durchschnitt 21,2 ± 2,9 Jahre alt; 16 waren weiblich, vier männlich.
Bei den Studierenden wurden nach Teilnahme am Wahlfach signifikante Kompetenzzuwächse festgestellt. Die Sicherheit, mit Patient*innen über Ernährung zu sprechen, stieg von 54 auf 79 % (p = 0,005). Auch die Kenntnisse zu den Klimafolgen von Ernährung verbesserten sich signifikant von 49 auf 77 % (p = 0,014). Die Zufriedenheit mit dem Wahlfach insgesamt lag bei den Studierenden sehr hoch bei 92 %. Besonders positiv bewertet wurden die Hospitationen in Hausarztpraxen, die Einheiten zur Motivierenden Gesprächsführung und das gemeinsame Kochen (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Evaluation des Wahlfachs bei Studierenden (n = 20)

Abb. 2: Evaluation des Wahlfachs bei Hausärzt*innen (n = 8)
In Bonn nahmen 10 Hausarztpraxen an der Rotation teil, acht Hausärzt*innen füllten den Fragebogen nach Abschluss der Hospitationen aus. Teilnehmende Hausärzt*innen waren durchschnittlich 50 ± 13 Jahre alt; fünf waren weiblich, drei männlich. Drei der Hausärzt*innen verfügten über eine Zusatzqualifikation in Ernährungsberatung.
Die Kompetenzen der Hausärzt*innen waren bereits hoch, sie fühlten sich sicher darin, mit ihren Patient*innen über deren Ernährung zu sprechen. Während die Hausärzt*innen angaben, in der Vergangenheit wenig mit Patient*innen über die Klimafolgen ihrer Ernährung gesprochen zu haben (41 ± 25 %), planten Sie nach Teilnahme am Wahlfach, dies in Zukunft deutlich häufiger zu tun (84 ± 16 %).
Die Hausärzt*innen bewerteten das Wahlfach mit 95 % sehr positiv. Ihrer Einschätzung nach waren die Studierenden sehr gut auf die Patient*innengespräche zur klimasensiblen Ernährung vorbereitet und wirkten interessiert an ihrem Praxisalltag. Des Weiteren hatten die Hausärzt*innen den Eindruck, dass ihre Patient*innen die Gespräche mit den Studierenden als wertvoll empfanden (siehe Abb. 2).
Diskussion und Ausblick
Das Wahlfach EAT adressiert vorklinische Studierende und Hausarztpraxen als (zukünftige) Multiplikator*innen für nachhaltige Ernährung. Bisher zwei Rotationen in den Sommersemestern 2024 und 2025 ließ sich mit Studierenden des 2. Semesters umsetzen und wurden sehr gut evaluiert. Die Teilnahme am Wahlfach steigerte in der Selbstevaluation die Kompetenz, mit Patient*innen über nachhaltige Ernährung zu sprechen.
Relevanz, Impact und Ziele
Das weltweite Ernährungssystem verursacht 25 – 34 % der Treibhausgasemissionen sowie Luft- (z.B. durch Ammoniak) und Wasserverschmutzung (z.B. durch Pestizide), den Verlust der Artenvielfalt (z.B. Insekten) und eine verschlechterte Bodenqualität.
Die Ernährung ist dabei der am stärksten beeinflussbare Hebel – Eine Umstellung auf eine klimasensible Ernährungsweise könnte eine Einsparung der Hälfte dieser Treibhausgasemissionen erzielen.
Dazu kommt, dass weltweit einer von fünf Todesfällen auf ungesunde Ernährung zurückzuführen ist. Ernährungsrisiken stehen an vierter Stelle der Hauptrisikofaktoren für Todesfälle (allgemein) in Deutschland, viele der weiteren Risikofaktoren stehen indirekt im Zusammenhang mit einer ungünstigen Ernährung. Diese Daten zeigen: Eine Ernährungswende ist sowohl für die Gesundheit des Menschen als auch des gesamten Planeten.
Die Planetary Health Diet (PHD) ist ein wissenschaftlich fundierter „Speiseplan der Zukunft“, mit dem sich im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen auf der Erde gesund und nachhaltig ernähren können. Das Konzept wurde 2019 von einem internationalen Team von Wissenschaftler*innen der EAT-Lancet-Kommission publiziert. Sie haben evidenzbasierte Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl und –menge formuliert, die an nationale Ernährungsgewohnheiten angepasst werden sollen.
Laut PHD müsste sich die global verzehrte Menge an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen verdoppeln, während der Verzehr von Zucker und rotem Fleisch halbiert werden müsste.
Im Jahr 2024 hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) aktualisierte Ernährungsempfehlungen veröffentlicht, die verstärkt auch Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigten. Die DGE-Empfehlungen stimmen weitestgehend mit den Empfehlungen der PHD überein.
Eine nachhaltigere Ernährung
Eine nachhaltigere Ernährung bezieht gesundheitliche, ökologische, soziale und kulturelle Aspekte mit ein: So sind in der Planetary Health Diet empfohlene Lebensmittel und Speisen nicht nur ressourcenschonend und gering verarbeitet, sondern auch Genuss, Bekömmlichkeit und faire Handelsbedingungen spielen eine Rolle. Die nebenstehende Grafik des stellt die Merkmale einer nachhaltigen Ernährung übersichtlich dar.

Die Planetary Health Diet
Die Planetary Health Diet bietet zahlreiche Vorteile für die planetare und menschliche Gesundheit, wie die nebenstehende Grafik der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit (KLUG) zeigt.
Eine Orientierung an der Planetary Health Diet reduziert beim Menschen das Erkrankungsrisiko für ernährungs(mit-)bedingte Erkrankungen und schützt gleichzeitig unseren Planeten und seine Lebewesen.

Konsortial- und Kooperationspartner
EAT ist ein binationales Projekt mit hochkompetenten, praxiserfahrenen Partnern:
- Institut für Hausarztmedizin
- University of St. Andrews
- Entwicklung der Rezepte und Unterstützung der Show-Kitchen: Praxis Essgenuss
- Evaluation durch uzbonn
Vektorgrafiken © Colourbox





